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Binance: Ist die Angst vor dem Kollaps der Börse berechtigt?

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Changpeng Zhao, CEO der größten Bitcoin-Börse der Welt, steht samt seinem Milliarden-Unternehmen zunehmend unter Druck. Ein CNBC-Interview macht die Lage nicht besser.

Binance gerät zunehmend unter Druck. Die größte Bitcoin-Börse der Welt sah sich in den letzten Tagen vermehrt Investoren gegenüber, die ihre Kryptowährungen nach und nach von der Börse abgezogen hatten. Allein vom 13. auf den 14. Dezember waren innerhalb von 24 Stunden über 6,6 Milliarden US-Dollar von Binance abgeflossen. Bei Teilen des Krypto-Spaces, die sich immer noch vom FTX-Desaster erholen, kam es demgegenüber zu Verunsicherung: Sind die Coins auf der Börse sicher? Wäre Binance in der Lage, einem Bankrun Stand zu halten?

In einem Interview mit dem US-Sender CNBC versucht der Binance-Chef, die Bedenken zu zerstreuen. Die beste Figur macht er dabei jedoch nicht.

Binance-Chef im Interview: “Wir sind finanziell okay”

Auf derartige Bedenken angesprochen, wiegelt Changpeng Zhao zunächst ab. Binance, so der Chef der Bitcoin-Börse zu Beginn des Interviews, habe keine Probleme damit, ihren Kunden Geld zurückzuzahlen:

Die Leute können 100 Prozent der Assets von Binance abziehen. Wir werden da keine Probleme haben. Zu jedem möglichen Tag.

Changpeng “CZ” Zhao, CEO von Binance

Wie Andrew Ross Sorkin im Interview feststellt, besitzt Binance Kryptowährungen im Gegenwert von 60 Milliarden US-Dollar. Allerdings wisse niemand, wie hoch die Außenstände seien, die Binance hat. Derartige Unsicherheiten könnte man mit einem “Audit”, also einer unabhängigen Prüfung der Bücher, leicht zerstreuen, so der Interviewer. Ob die Bitcoin-Börse einen Audit für die Zukunft vorsehe?

Wir arbeiten mit verschiedenen Unternehmen, um hier einen Audit vorzubereiten. Aber: Binance schuldet niemandem Geld. Binance hat keine Kredite von anderen Unternehmen. Wir haben sowas einfach nicht. Da könnt ihr alle Fonds oder auch VCs im Ökosystem fragen […]. Darin unterscheiden wir uns sehr stark von FTX.

Changpeng Zhao

CNBC lässt sich von CZs “Da könnt ihr alle Fragen” jedoch nicht abwiegeln. Auf die Frage hin, warum ein Audit so schwer sei, beziehungsweise, warum in dieser Richtung nichts gemacht werde, kommt der Binance-Chef ins Straucheln.

In unserer Industrie hängen wir nicht so sehr von Vertrauen ab. Bei uns geht es vielmehr um Verifikation […]. Wir arbeiten aber mit mehreren Auditing-Unternehmen zusammen. Interessanterweise haben aber viele Audit-Firmen Angst davor, mit Krypto-Unternehmen zusammenzuarbeiten […]. Audits können nicht alle Probleme aufdecken.

Changpeng Zhao

Daraufhin wird er von Becky Quick darauf aufmerksam gemacht, dass es sehr wohl Audit-Unternehmen gebe, die Krypto-Unternehmen überprüfe. Sie verweist indessen auf die “Big Four”, also die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, EY, KPMG und PwC. Sie fragt ihn indessen, ob es nicht vielmehr sein könne, dass die Bitcoin-Börse nicht in der Lage wäre, die nötigen Informationen bereitzustellen und die Audit-Firmen deswegen Bedenken hätten. CZs Antwort:

Viele von denen wissen nicht, wie man eine Krypto-Exchange richtig überprüft. […] Da fehlt die Glaubwürdigkeit.

Changpeng Zhao

Doch Quick lässt nicht locker. Der kürzliche “Audit”, den die Börse mit Mazar gemacht habe, sei kein richtiger Audit. Binance habe lediglich bestimmt, was sie bereit waren, Preis zu geben und das Unternehmen habe das dann verifiziert. Doch Zhao weicht aus:

Wir achten gar nicht auf Coinbase. Coinbase hat ja eine viel kleinere Jurisdiktion.

Changpeng Zhao

Die Verbindungen zu FTX

Schließlich wird er auf Kevin O’Leary angesprochen. Dieser hatte vor Gericht am Tag zuvor ausgesagt, dass CZ im Jahr 2021 für seinen Share in FTX ausgezahlt worden sei.

Laut US-Gesetzen kann dieses Geld zurückgefordert werden, wenn sich herausstellt, dass es aus betrügerischen Geschäftsmodellen hervorging. Auf die Frage hin, ob er oder Binance in der Lage sei, dieses Geld zurückzuzahlen, behält der Boss der Bitcoin-Börse seinen Kurs bei: Er weicht aus.

Kevin O’Leary behauptet einfach Dinge, die Unsinn sind. Die ergeben keinen Sinn. Das ist nicht logisch. […] Kevin ist ein Lügner.

Schließlich räumt CZ ein, dass ihm SBF 2,1 Milliarden US-Dollar überwiesen habe, um ihn aus seiner Beteiligung an FTX zu lösen. Sein Gedächtnis sei aber nicht mehr so gut, was diesen Deal anging.

Ein Teil war in FTT Token, die jetzt wertlos sind. […] Die genaue Zusammensetzung weiß ich aber nicht mehr. […] Wir haben das aber alles noch. Tatsächlich haben wir vergessen [dass es das Geld gibt]. […] In unserer Industrie ist alles sehr transparent.

Changpeng Zhao

Was folgt ist ein weiteres Nachbohren von CNBC, ob er denn im Zweifel in der Lage sei, das Geld zurückzuzahlen. Nach weiteren Ausweichversuchen muss er schließlich doch antworten.

Doch die Antwort bleibt schwammig: “Wir sind finanziell okay”. Als Quick insistiert: “Auch, um 2,1 Milliarden US-Dollar zurückzuzahlen?”, entgegnet CZ nur: “Das lassen wir die Anwälte regeln.”

Droht der weltweit größten Bitcoin-Börse dasselbe Schicksal wie FTX?

Eins steht fest: Changpeng Zhao hat sich in diesem Interview nicht mit Ruhm bekleckert. Auch das bisherige Ausbleiben einer Überprüfung der Bücher und die fehlende Überprüfung von Audit-Firmen lässt einige Zweifel aufkommen. Falls die Verunsicherung, die aktuell im Krypto-Space herrscht, sich weiter ausbreiten sollte und es zu einem Bankrun auf die Bitcoin-Börse kommen sollte, könnte das größere Kreise ziehen. Das würde höchstwahrscheinlich auch Druck auf den Bitcoin-Kurs, den BNB-Kurs und den gesamten Krypto-Markt ausüben.

Dennoch muss man sich in Erinnerung rufen, dass man Binance nicht mit FTX gleichsetzen darf. Während FTX willentlich und wissentlich Kundengelder verzockt hat, gibt es bei Binance keinerlei Anhaltspunkte, das so etwas bei Binance auch drohen könnte.

Das schützt den Markt jedoch nicht vor irrationalen Handlungen. So besteht grundsätzlich die Möglichkeit eines Bankruns. Und hier gilt: Bankruns sind immer problematisch, ganz gleich, ob im traditionellen Sektor oder im Krypto-Sektor. Selbst wenn es hier zu Verwerfungen kommen sollte, gilt es: Ruhe bewahren.

Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, dem sei generell geraten, seine Coins von zentralisierten Börsen abzuziehen. Für die sichere Aufbewahrung gibt es schließlich Hardware-Wallets. Und für InvestorInnen, die auf Lending, Staking und ähnliches Wert legen, gibt es dezentrale Exchanges.

Für Binance gilt es nun, sich schnellstmöglich um einen Audit zu kümmern, um das angeschlagene Vertrauen zurückzugewinnen.

   
Quelle

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